Markkleeberger Stadtjournal

Einen wichtigen Auswärtspunkt gewonnen

Zu ihrem vorletzten Auswärtsspiel mussten die Neuseenland-Volleys Markkleeberg nochmal auf weite Reise gen Westen gehen, wo die ligaerfahrenen BayerVolleys Leverkusen auf sie warteten. Als Tabellensiebente mit 19 Punkten Vorsprung auf unsere Mädels gingen die Gastgeberinnen als Favorit in das Spiel und konnten zudem von der Tabellensituation her quasi tiefenentspannt auflaufen. Anders unsere Volleys, die um die dringende Notwendigkeit wussten, (möglichst viele) Punkte von dort mitzunehmen, um den aktuellen Nichtabstiegsplatz 12 zu verteidigen. Ein sehr schwieriges Unterfangen, auch wenn man sich an das recht deutlich mit 0:3 verlorene Heimspiel erinnert (woraus man ja aber auch Lehren ziehen kann). Dazu muss der „Kopf frei“ sein nach den drei schon recht deutlichen Niederlagen zuletzt und spielerisch nahezu alles passen.

Unsere Mädels wussten natürlich, dass es so langsam „um die Wurst“ geht: „Im April stehen zwei sehr wichtige Spiele auf dem Plan. Dieses Wochenende geht es nach Leverkusen zu den BayerVolleys und Ende des Monats empfangen wir die Mädels aus Oythe. Ab jetzt zählt jeder Punkt bis zum Saisonende !“.Doch sie wussten auch, dass die Leverkusenerinnen das eine oder andere Heimspiel in dieser Saison verloren haben (zuletzt gerade erst gegen Düsseldorf), hatten gut trainiert und die freien Ostertage zum „tief durchatmen“ genutzt. Also ging es trotz aller Anspannung mit Optimismus auf die Reise zu dem erst am späten Abend beginnenden Spiel .

Trainer Tim Reichenbach beschrieb die Aufgabe u.a. so: „… steht mit Leverkusen ein wirklich schwerer Gegner vor unserer Brust. Das erfahrene und erneut sehr physisch starke Team hat uns bereits im Hinspiel vor große Herausforderungen gestellt. Hoffen wir, dass wir diesmal unsere Stärken im Aufschlag und in der Feldabwehr aufs Parkett bringen können, um dem dominanten Leverkusener Angriffsspiel etwas entgegenzusetzen.“ Das gelang vor allem in den ersten beiden Sätzen sehr gut und wurde da m.E. durch eine sehr erfolgreiche Blockarbeit ergänzt.

Aber der Reihe nach: Ungeachtet des doch recht späten Spielbeginns (19.30 Uhr ist schon etwas „grenzwertig“) in der großartigen Ostermann Arena (Kapazität 3500 Zuschauer) und der langen Anreise gingen unsere Mädels munter in den ersten Satz. Den begannen sie zwar mit einem Aufgabefehler von Bianca, doch dann hielten sie mit den Gastgeberinnen nicht nur gut mit, sondern konnten sich nach dem 5:5-Ausgleich sogar mehr und mehr absetzen. Gute Feldabwehr- und Blockaktionen brachten in der Satzmitte einen Fünfpunktevorsprung. Der hielt auch, bis es zu einem wahrhaftigen Highlight des Spiels kam: einem sensationellen Fußzuspiel von Nele, woraus ein erfolgreicher Angriff zum 22:17 wurde. Schade, dass man sowas nicht trainieren kann. Der Vorsprung schmolz dann allerdings bis auf einen Punkt, so dass Trainer Tim Reichenbach bei 22:21 zur Auszeit rief. Die war erfolgreich, denn unsere Volleys schafften, allerdings auch dank zweier Aufschlagfehler der Gastgeberinnen, den Satzball bei 24:22, der dann gleich verwandelt wurde. Ein toller erster Satz unserer Mädels, wobei die Gastgeberinnen von unserem starken Spiel wohl auch ein wenig überrascht waren und nicht so ganz in ihren starken Angriffsmodus fanden.

Der Satz 2 begann wie der erste mit Aufschlagfehler(n) und hatte dann einen sehr ähnlichen Verlauf. Ab dem 4:4-Ausgleich gingen unsere Mädels nämlich in Führung, die zweitweise auf fünf Punkte anwuchs. Zum Satzende hin kamen die Leverkusenerinnen aber, auch wie in Satz 1, nochmal auf 21:22 heran. Das veranlasste Trainer Tim Reichenbach auch hier zur Auszeit, die nicht nur den „Trainerpunkt“ brachte, sondern vor allen durch drei starke Blöcke den 25:21-Satzgewinn. Damit war ein wichtiger Punkt auf dem Markkleeberger Konto, und man durfte ganz vorsichtig von mehr träumen.

Doch der Traum ging im Satz 3 leider erstmal nicht in Erfüllung, denn die Gastgeberinnen gingen von Beginn an in Führung und bauten diese auf zeitweise sieben Punkte aus. Nachdem Trainer Tim Reichenbach seine beiden Auszeiten schon früh „verbraucht“ hatte, griff er jetzt zum taktischen Mittel Spielerwechsel. Doch auch das brachte nicht die Wende, wenn auch es unseren Mädels gelang, nochmal bis auf 22:24 heranzukommen. Ihren dritten Satzball verwandelten die Gastgeberinnen dann doch zum 25:22-Endstand.

Natürlich war klar, dass man gegen einen so starken Gegner nicht andauernd auf dem Niveau der ersten beiden Sätze würde agieren können, und doch wünschte ich mir unser Team so auf der Platte zurück wie in diesen. Leider ging dieser Wunsch aber auch in Satz 4 nicht in Erfüllung, denn die Gastgeberinnen fanden nun endgültig zu ihrem Spiel, führten schnell 6:0. Bei ihnen klappte nun fast alles und ihr Vorsprung hielt bis zum Satzende, auf weniger als drei Punkte kamen unsere Mädels nicht heran. Ergebnis war ein recht schneller 17:25-Satzverlust.

Tiebreak also mal wieder! Man erinnert sich, dass wir Tiebreak doch können und weiß, dass der sowieso seine eigenen Gesetze hat. Und so „eigen(artig)“ war dann auch der Verlauf des entscheidenden Satzes 5. Ab 1:1 gingen die Leverkusenerinnen in Führung und die Teams wechselten die Seiten bei 8:5. Die Gastgeberinnenführung hielt bis zum 9:9-Ausgleich, ab dem 10:10-Ausgleich gingen dann plötzlich unsere Mädels in Führung und bei 13:10 rückte sogar der Satzerfolg in den Bereich des möglichen. Doch die Gastgeberinnen glichen nun ihrerseits zum 13:13 aus und gingen in Führung. Mit einem Leverkusener Angriffsschlag ins Aus kam es nochmals zum Ausgleich. Dann schafften die Gastgeberinnen die Führung zum Satzball mit 15:14 und Trainer Tim Reichenbach nahm jetzt die zweite Auszeit. Doch der erhoffte „Trainerpunkt“ blieb aus, mit einem starken Block beendeten die Leverkusenerinnen den Satz 16:14 und damit (leider) das Spiel mit 3:2. Es blieb also bei einem Punkt, doch auch mit dem im Gepäck durfte stolz auf einen couragierten Auftritt die späte Heimreise angetreten werden, die frühmorgens gegen 4.00 Uhr endete. Hochachtung!

Mein Fazit des Spiels insgesamt: sehr gut gemacht ! Mit der starken Leistung der ersten beiden Sätze und der zweiten Hälfte des Tiebreaks kann man auch klar favorisierte Gegner bezwingen, vielleicht sogar Oythe, zumal daheim.

Und das Trainerfazit? „Was für ein toller Abend mit einem Ergebnis, mit dem man wohl kaum rechnen konnte!“, freute sich Trainer Tim Reichenbach zurecht und ergänzte: „Mit leicht veränderter Startaufstellung begann das Spiel aus unserer Sicht wirklich überzeugend. Wir haben uns taktisch auf Leverkusen eingestellt und wussten vor allem aus dem Hinspiel, was wir besser machen mussten. Mit guten Aufschlägen und einem sehr variablen Angriffsspiel schafften wir es, gerade zum Spielbeginn einen sehr dominanten Auftritt hinzulegen. Nicht zu vergessen sind an der Stelle zahlreiche kämpferische Abwehraktionen des Teams um eine stark spielende Salome Seidel auf der Liberoposition. Leider verloren wir ab Satz 3 dann ein bisschen den Faden. Sobald Leverkusen den Druck erhöhte, verloren wir leider zu schnell das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und machten zu viele eigene Fehler.

Am Ende steht also eine knappe Tiebreak-Niederlage, nach 2:0 Führung könnte man sich fast ärgern, aber das wäre aus meiner Sicht fehl am Platze. Der Punktgewinn und die wirklich überzeugende Leistung gegen starke Leverkusenerinnen tut im Kampf um den Klassenerhalt gut und gibt Aufwind für die letzten beiden Spieltage dieser ersten Saison in der 2. Liga Pro.“ Unsere silberne MVP wurde (wieder) Franziska Nitsche. Glückwunsch dazu!

Am Sonntagnachmittag war dann klar, wie wichtig der gewonnene Punkt ist, denn unsere Mädels konnten dadurch ihren Vorsprung auf Dingolfing auf fünf Punkte ausbauen, weil die Dingos ihr Heimspiel gegen Straubing glatt mit 0:3 verloren hatten.

Die Tabelle sieht unsere Volleys nach dem Wochenende weiter auf dem Nichtabstiegsplatz 12 mit dem Fünfpunktevorsprung auf Dingolfing auf Platz 13. Da uns Berlin trotz seines außerordentlichen „Endspurts“ schon jetzt nicht mehr erreichen kann, und Hörde ja freiwillig die Liga verlässt, ist Dingolfing der einzige „Mitbewerber“ im Kampf um den Nichtabstiegsplatz, unser Saisonziel. Auf die Dingos haben unsere Mädels zwar die erwähnten fünf Punkte Vorsprung, die sind aber noch nicht ganz die Nichtabstiegsgarantie bei zwei (wir) bzw. drei (Dingolfing) ausstehenden Spielen.

Das Wochenende in 14 Tagen kann also schon die Entscheidung über den Klassenerhalt bringen. Wir haben am Samstag in einem erneut schweren Spiel den Tabellendritten Oythe zu Gast. Dingolfing muss gleichzeitig beim Tabellenvierten Planegg-Krailling ran, was ein ebenso schweres Spiel sein dürfte. Ein Punkt für uns und keiner für Dingolfing, dann wäre das Saisonziel erreicht.

Aber die Oytherinnen kommen natürlich als klare Favoriten zu uns, sind Tabellendritte und hatten ihre letzte Niederlage Ende Januar in Straubing. Seitdem wurden sechs Siege in Folge eingefahren, nur ein einziger Punkt wurde in Düsseldorf liegen gelassen. Also: leicht ist anders! Aber unser Team kann und muss die erneuten zwei Wochen Training gut nutzen und voller Optimismus und wieder mit den Markkleeberger Fans im Rücken in das möglicherweise ja entscheidende Spiel gehen. Also ergeht ein letztes Mal in dieser Saison mein Aufruf an alle Volleyballfreunde in Stadt und Region: füllt die Neuseenlandhalle mit allem, was ihr aufbieten könnt, das Team braucht unseren Support!

Mit Blick schon in Richtung neue Saison freue ich mich, dass mit Kapitänin Thora Bauer und Franziska Nitsche zwei unserer absoluten Stützen im Team jetzt schon entschieden haben, dass sie bei uns bleiben. Ich bin sicher, dass ihnen noch viele Mitspielerinnen aus dem aktuellen Team folgen werden. Und möglicherweise kommen ja zu unserer Neuverpflichtung Meghan Bartel auch noch ein oder zwei weitere das Team verstärkende Spielerinnen hinzu.

Volleyballclub Neuseenland e.V.

Abschließend auch an dieser Stelle noch die Information, dass sich ein neuer Markkleeberger Sportverein gegründet hat – der Volleyballclub Neuseenland e.V. (VCN), der den Volleyballsport in unserer Stadt, in unserem Neuseenland sportartkonzentriert und zielorientiert in Breite und Spitze und allen Altersbereichen weiterentwickeln will. Auf der Homepage der TSG Markkleeberg kann man dazu eine gemeinsame Verlautbarung finden, wo es erfreulicherweise u.a. heißt : „In konstruktiven Gesprächen zwischen der Abteilungsleitung Volleyball und dem Vorstand der TSG Markkleeberg wurde ein gemeinsames Verständnis für den weiteren Weg entwickelt. Beide Seiten eint das Ziel, den Volleyballsport in Markkleeberg nachhaltig und erfolgreich zu gestalten“, und auch die LVZ berichtete ja kürzlich, wenn auch für mein Empfinden ein wenig zu „reißerisch“.

Hoffen wir gemeinsam, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Ich für mein Teil sehe das positiv, trete dem VCN bei, bleibe aber auch „meiner“ TSG, der ich nun schon fast 61 Jahre (als Volleyballer) angehöre und deren ehrenamtlicher Präsident ich die Hälfte dieser Zeit sein durfte, weiter verbunden. Tradition und Geschichte des Volleyballs in Markkleeberg, (begründet durch den inzwischen ja leider verstorbenen Peter "Pit" Pohlmann im weitesten Sinne in der TSG), die mir äußerst wichtig sind, gehen ja mit dem neuen Verein der Volleyballer nicht verloren. Auch hier kann man sich darauf natürlich berufen und besinnen, auch die TSG hat sich ja im Laufe der Zeit stetig, und nicht nur namentlich, verändert und entwickelt. Teilweises Training und Wettkämpfe im „Peter Pohlmann Sportzentrum“ tragen dazu sicher ihren Teil bei. Und dass derartige sportliche Neu(aus)gründungen durchaus erfolgreich sein können, zeigen u.a. der Turnverein 1871 und die Kickers 94 (beide gehörten einst ja auch zur TSG) oder auch der TC Markkleeberg.

Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der TSG-Volleyballer in den VC Neuseenland wechseln wird, dennoch wird die TSG der größte Sportverein in unserer Stadt und im Landkreis bleiben. Der Volleyballclub Neuseenland wird sich als neuer Sportverein in die großartige Markkleeberger Sportfamilie einreihen und einbringen, wobei er sicher von der großen Außenwirkung und -wahrnehmung über die Neuseenland-Volleys Markkleeberg profitieren, diese aber gleichzeitig auch mit befördern kann.

Rainer Leipnitz, Fotos: Neuseenland-Volleys (Team), DYN Livestream (Spielbilder)

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