Bornaer Stadtjournal

Lausbubengeschichten aus der sächsischen Provinz

Im Gespräch mit dem Bornaer Autor Jörg Lorentz

Zu Beginn des Jubiläumsjahres zu 775 Jahre Borna erschien ein Buch mit Lausbubengeschichten, die inmitten Bornas der 70er und 80er Jahre spielen. Der Ur-Bornaer Jörg Lorentz gab dem Buch den liebenswürdigen Titel „Felix`Abenteuer“. Die Geschichten des kleinen Jungen, den man schon in der ersten Geschichte ins Herz schließt, sind ebenso liebenswürdig und fürsorglich geschrieben. Die dazugehörigen Illustrationen von Yvonne Baartz unterstreichen auf sorgfältige Weise die Erzählungen. Wer wie ich in der sächsischen Provinz (Frohburg) aufgewachsen ist, kann sich mit Felix identifizieren, da unsere Kindheiten doch ähnlich verlaufen sind. Wir alle mussten Kohlen schaufeln und schleppen, bekamen nicht die gewünschten Turnschuhe und mussten bei Dunkelheit daheim sein. Aber lesen Sie selber. Wir unterhielten uns zunächst mit dem Autor über das Buch.

Wie kamen Sie auf die Idee ein Buch zu schreiben?
Ich liebe unsere Sprache. Die Möglichkeit, nur mit Worten ganz unterschiedliche Stimmungen erzeugen zu können, fasziniert mich schon immer. Schon in der Schule habe ich mit großer Begeisterung am liebsten Aufsätze geschrieben. Ich habe auch das große Glück, meine Leidenschaft für das Schreiben auch in meinem richtigen Beruf ausleben zu können. Man kann schon sagen, dass Schreiben mein Leben ist. Ein lang gehegter Wunsch war es immer, meine Texte auch einmal zu einer größeren, abgeschlossenen Einheit zu formen und damit auch etwas – für mich - Bleibendes zu schaffen. So war es naheliegend, irgendwann ein Buch zu schreiben.

Hatten Sie gleich den Gedanken, dies mit der Zeit der 70er/80er Jahre zu verbinden? War es gleich klar, dass Sie Geschichten über Ihre Kindheit preis geben?
Weil ich unserer Stadt sehr verbunden bin, wollte ich eine regionale Geschichte schreiben. Nun ist daraus eine kleine, humorvolle Liebeserklärung in mehreren Akten an meine Heimatstadt, an meine Freunde und Bekannte und an meine Familie geworden. Ich muss dazu sagen, dass in meinen Geschichten zwar viel Wahrheit steckt. Aber keine einzige ist genau so passiert, wie ich sie aufgeschrieben habe. Dass die Veröffentlichung meines Buches mit unserem großen Stadtjubiläum zusammenfällt, war so nicht geplant. Aber es ist ein schöner Zufall.

Wieviel Zeit investierten Sie in das Projekt?
Da ich nur in meiner Freizeit schreiben kann und diese natürlich begrenzt ist, hat es insgesamt etwa anderthalb Jahre gedauert, bis ich mein gedrucktes und gebundenes Buch endlich in den Händen halten konnte. Ich weiß nicht, ob Du Dir vorstellen kannst, wie wahnsinnig schön dieses Gefühl ist – wie Geburtstag, Weihnachten und Ostern an einem Tag.

Sind Ihnen Ihre Kindheitserinnerungen alle adhoc wieder eingefallen?
Einige Geschichten waren in meiner Erinnerung sehr präsent – genug, um mit dem Schreiben zu beginnen. Beim Schreiben habe ich es sehr genossen, mich in die Zeit meiner Kindheit zurückzuversetzen. Mir sind dann nach und nach so viele Ideen gekommen, dass ich sie letzten Endes gar nicht alle verarbeiten konnte. Vielleicht werde ich ja eine Fortsetzung schreiben. Wer weiß?!

Was hat Ihnen auf der Reise in die Vergangnheit am Besten gefallen?
Besonders schön fand ich, dass mir die kleine Reise in die Vergangenheit noch einmal vor Augen geführt hat, wie schön meine Kindheit war. Ich habe den Alltag aus Zeiten der ehemaligen DDR so beschrieben, wie ich es damals empfunden habe – ohne die Zeit zu verteufeln oder in den Himmel zu heben.

Manuela Krause

Es machte Platsch! Der Schneeball klatschte an Merbts Stirn. Plötzlich fand sich der Fünfzigjährige mitten in einer Schneeballschlacht mit seinen Klassenkameraden wieder. Später schlitterte er dann mit seinen Gleitschuhen auf schneebedeckten Straßen. Doch dann wurde es auf einmal brenzlig.
Wie damals stibitzte er seinem Vater Zigaretten. Es wurden Pralinen präpariert und Spickzettel geschrieben. Und dann war da noch der echte Weihnachtsmann.
Längst vergessen geglaubte Dramen von fehlenden Turnschuhen, manipulierten Essenmarken und geklauten Blumen erlebte Merbt jetzt hautnah noch einmal.
Wieso passierte ihm das?
Das Buch ist eine vergnügliche Rückblende für alle, die in den 70er und 80er Jahren in der DDR groß geworden sind und sich noch daran erinnern können, wie dieser verflixte Pionierknoten gebunden wurde.

Taschenbuch, 186 Seiten, ISBN: 9783819233562
Erhätlich im Buchhandel und im Regioschaufenster der Stadt- und Touristinformation Borna

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