Markkleeberger Stadtjournal

Das wilde erste Jahr ohne Mauer

1990: Ein Jahr ohne Vorlage – ein Aufbruch ohne Netz

1990 stand Leipzig im Zentrum eines historischen Umbruchs: Die Friedliche Revolution hatte die Stadt befreit, nun galt es, eine Gesellschaft neu zu erfinden. Straßen, die 1989 von Demonstrationen erfüllt waren, wurden zu Orten des Aufbruchs, an denen neue Politik, Verwaltungen und Unternehmen Gestalt annahmen. Leipzig wurde zum pulsierenden Drehkreuz, wo Menschen aus Ost und West gemeinsam – oft aber gegeneinander – um die Zukunft rangen. Der heutige Markkleeberger Reinhard Bohse, damals Verlagslektor und Mitglied des Neuen Forums, schildert diese Zeit in seinem Buch „Von einem, der über den Wolken schwebt und auf der Erde landet“, das er am 12. März 2026 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig vorgestellt hat.

Wie Stephan Bickhardt, damals ebenfalls Bürgerrechtler, in seinem Vorwort schreibt: „Die Revolution war 1989 nicht zu Ende, 1990 jagte sie von einer institutionellen Initiative zur nächsten.“ Bohse zeigt anhand bisher unerschlossener Dokumente, Tagebücher und Zeitungsausschnitte, wie kluge Entscheidungen, überwältigendes Engagement und persönlicher Mut Leipzig prägten. Das Buch öffnet einen lebendigen Blick auf die Menschen, die den Neuanfang ermöglichten, und die Herausforderungen, die sie meistern mussten. Es ist ein anschauliches Porträt einer Stadt, die zwischen Unsicherheit und Aufbruch ein neues Kapitel schrieb.
Für alle, die Leipzigs Geschichte der Wendezeit entdecken möchten, findet im Rahmen von „Leipzig liest“ am 19. März 2026 um 19.00 Uhr eine Lesung mit Reinhard Bohse im Grassisaal der Stadtbibliothek Leipzig statt. Der Eintritt ist frei.

bw (Text & Foto)

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