
Gemeinsam hatten der Landkreis Leipzig, der Unternehmerverband Sachsen e. V. und die Standortinitiative Wurzen zu diesem Forum eingeladen. Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten über die Zukunft des Industriestandortes Wurzen und des gesamten Landkreises. Erstmals war das Unternehmerforum zugleich Teil des regionalen Programms der „Tage der Industriekultur Leipzig“.
Bereits zum Auftakt machten Oberbürgermeister der Stadt Wurzen, Marcel Buchta, und Landrat Henry Graichen deutlich: Eine starke Wirtschaft braucht gute Rahmenbedingungen. Dazu gehören neben leistungsfähiger Infrastruktur auch Gesundheit, Kultur und Bildung. Das Berufliche Schulzentrum Wurzen bot als Veranstaltungsort dafür einen passenden Rahmen – schließlich sind Bildung und Fachkräftesicherung eng mit der Zukunft der regionalen Wirtschaft verbunden.
„Schotter, Kekse und Maschinen“ – mit diesem Slogan machte Marco Bauch, Vereinsvorsitzender der Standortinitiative Wurzen, deutlich, wie vielfältig die Wurzener Wirtschaft aufgestellt ist. Die Standortinitiative bringt als Netzwerk für regionale Entwicklung Unternehmen, Bürger, Vereine und Kommunen zusammen, bündelt Interessen und entwickelt daraus gemeinsame Impulse für Wurzen und die Region.
Von Maschinen- und Fördertechnik über Lebensmittelproduktion und Lüftungstechnik bis hin zu Spezialtechnologien und Recycling reicht die Bandbreite der Wurzener Wirtschaft. Unternehmen wie H. Aug. Schmidt Transportanlagen GmbH, LIFTKET Hoffmann GmbH, Wurzener Nahrungsmittel GmbH, Griesson – de Beukelaer GmbH & Co. KG Werk Wurzen, FläktGroup Wurzen GmbH, WUTRA Fördertechnik GmbH, NIKKISO Cryotec GmbH, Gießerei Wurzen GmbH und WRC World Resources Company GmbH stehen exemplarisch für diese Vielfalt.

Corinne Ziege von der NIKKISO Cryotec GmbH gab Einblicke in den Wandel vom Familienunternehmen hin zu einem Teil eines international tätigen Konzerns. Die internationale Ausrichtung eröffnet neue Märkte und Geschäftschancen, bringt zugleich aber auch neue Anforderungen mit sich. Unterschiedliche kulturelle Erwartungen und Vertriebsstrukturen erfordern Flexibilität und gegenseitiges Verständnis – eine Herausforderung, der sich das Unternehmen mit Offenheit und großem Engagement stellt.
Landrat Graichen zeigte am Beispiel des gesamten Landkreises, wie vielfältig Transformation aussehen kann: von der erfolgreichen Entwicklung der anona GmbH, Deutschlands Marktführer für Fitness-, Sport- und Lifestyle-Nahrung mit internationaler Ausrichtung, über die Herausforderungen der Chemieindustrie am Standort Böhlen/Lippendorf, der zugleich mit baureifen Industrieflächen Chancen für neue Ansiedlungen bietet, bis hin zum Wandel der Tagebaulandschaft am Störmthaler See, wo heute unter anderem regionaler Weißwein entsteht.
Zur ehrlichen Betrachtung des Wandels gehört auch, Schwierigkeiten offen anzusprechen. Die WUTRA Fördertechnik GmbH, ein traditionsreiches, seit rund 130 Jahren in Wurzen ansässiges Unternehmen für Fördertechnik, steht aktuell vor erheblichen Herausforderungen und befindet sich in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Rückläufige Aufträge, gestiegene Kosten und der internationale Wettbewerbsdruck zeigen, wie anspruchsvoll die Transformation für etablierte Industrieunternehmen sein kann. Die Eigenverwaltung eröffnet zugleich die Chance, das Unternehmen neu aufzustellen und seine langjährige Kompetenz für die Zukunft zu sichern.
Die zentrale Botschaft des Forums lautete deshalb: Nicht allein fragen, wo die Probleme liegen – sondern vor allem, wie sie gelöst werden können. Dafür braucht es einen offenen Austausch zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung.
Landrat Henry Graichen ermutigte die Unternehmen im Landkreis ausdrücklich, sich mit ihren Anliegen an den Landkreis zu wenden – etwa wenn es bei Genehmigungsverfahren Schwierigkeiten gibt. Nicht jede Herausforderung lasse sich sofort lösen, aber nur wenn Probleme benannt werden, könne gemeinsam nach Lösungen gesucht werden.
Das Unternehmerforum hat damit einen wichtigen Impuls gesetzt: Transformation ist keine abstrakte Zukunftsaufgabe, sondern findet in den Unternehmen und an den Standorten der Region bereits heute statt. Wurzen und der Landkreis Leipzig bringen dafür eine vielfältige industrielle Basis, gewachsene Strukturen und engagierte Unternehmen mit. Entscheidend wird sein, den Wandel gemeinsam und lösungsorientiert zu gestalten.
Nadia Thiel-Beierbach