Bornaer Stadtjournal

Die Zwiebelhexe - Ein Kinderbuch von Claudia Hebestreit

Mit ihrem Kinderbuch „Die Zwiebelhexe“ verbindet Claudia Hebestreit Fantasie und Heimatgeschichte auf besondere Weise. Entstanden ist ein modernes Märchen, das tief in Borna und seiner Tradition verwurzelt ist und zugleich junge Leserinnen und Leser begeistert. Ausgehend von der regionalen Geschichte, dem historischen Spitznamen „Zwibbelborne“ und der eigenen Verbundenheit zur Stadt, entwickelte die Autorin eine liebevolle Geschichte, die Bekanntes neu erzählt und mit magischen Elementen verknüpft. Im Gespräch gibt sie Einblicke in die Entstehung ihres Buches, ihre Inspirationen und die Bedeutung regionaler Identität in der Literatur.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Kinderbuch zu schreiben?
Die ersten Funken zu diesem Kinderbuch entstanden zusammen mit meinem Sohn, abends auf dem Sofa, beim Sandmännchen. Dort wurden unter anderem Geschichten mit Sagen und Legenden aus der Lausitz erzählt. Jede dieser Erzählungen war liebevoll für Kinder aufbereitet und brachte mich ins Nachdenken: Gibt es so etwas auch für unsere Region? Märchen, die sich auf Sagen oder historische Ereignisse beziehen? Ich habe nachgeforscht und nichts Vergleichbares gefunden. Also griff ich selbst zum Stift. Der Wunsch, ein eigenes Märchen für unsere Gegend zu erzählen, war plötzlich sehr klar da. Und ich habe schnell gemerkt, wie viel Freude es mir macht, eine fantasievolle Geschichte für Kinder zu entwickeln. Mein Sohn war dabei mein erster Zuhörer und Kritiker. Er kennt inzwischen jede Version des Märchens und ist längst ein großer Fan der kleinen Zwiebelhexe geworden.

Kam die zündende Idee mit dem diesjährigen Stadtjubiläum?
Tatsächlich spielt das Jubiläum eine wichtige Rolle. Als ich den Aufruf des Stadtmuseums zu einem Jubiläumsbuch las, fühlte ich mich sofort angesprochen. Ich bin hier geboren, aufgewachsen und arbeite hier. Borna ist tief in meinem Leben verwurzelt. So schrieb ich mein Märchen. Am Ende war der Text zu umfangreich für das geplante Buch. Anstatt ihn zu kürzen, entschied ich mich, die Geschichte in ihrer ganzen Länge zu erhalten und in ein eigenständiges Kinderbuch zu verwandeln. Das Jubiläum war damit der Auslöser für etwas Eigenes.

Das Buch steht auch im Zusammenhang mit unserer Stadt und der Region?
Ja, die Erzählung ist fest in Borna verwurzelt. Sie greift den Zwiebelanbau und den alten Spitznamen „Zwibbelborne“ auf. Schauplatz und Figuren sind mit unserer Geschichte verwoben, so dass sich reale Fakten und märchenhafte Elemente gegenseitig durchdringen. Das Buch lädt dazu ein, die eigenen Wurzeln neu zu betrachten und verbindet Vertrautes mit Fantastischem.

Warum wurde es ein Märchenbuch?
Märchen begleiten mich seit meiner Kindheit, vor allem die der Brüder Grimm. Auch wenn viele dieser Stoffe heute mit antiquierten Rollenbildern verbunden sind, hat mich ihr Kern immer inspiriert. Ich wollte ein modernes Märchen schaffen, das auf wahren Begebenheiten beruht und doch den Zauber bewahrt. Meine Zwiebelhexe ist deshalb keine böse Gestalt, sondern eine gutherzige Figur. Manchmal ein wenig tollpatschig, aber immer liebenswert. Mir war wichtig, dass die Leserinnen und Leser Spuren unserer Stadt wiederfinden, ohne dass es in trockene Wissensvermittlung abgleitet. Als Lektorin arbeite ich täglich mit literarischen Texten und sehe schnell, was funktioniert und was nicht. Dieses Gespür und meine Liebe zu Geschichten sind in mein eigenes Märchen eingeflossen.

Was fasziniert Sie an der Zwiebel in Verbindung mit Borna?
Die Zwiebel wirkt zunächst unscheinbar, doch in ihr steckt viel mehr, als man auf den ersten Blick vermutet. Sie ein lebendiger Teil unserer Stadthistorie. Mich fasziniert, wie der alte Name „Zwibbelborne“ noch heute in den Köpfen ist. Wenn ich neuen Menschen begegne und erzähle, dass ich aus Borna komme, kommt oft ein freudiges „Ach, Zwibbelborne“ zurück. Diese Kontinuität, dieses kleine Stück Identität, das über Generationen weitergetragen wird, berührt mich. Mit meinem Märchen wollte ich diese Tradition aufnehmen und ihr eine neue Geschichte schenken.

Manuela Krause

Als in Borna wochenlang kein Regen fällt und die Felder verdorren, beschließt die gutherzige Hexe Balbina zu helfen. Ein Zauber soll die Ernte retten, doch wie so oft im Leben läuft nicht alles nach Plan. Statt Korn und Gemüse wachsen plötzlich nichts als Zwiebeln. Große, goldene Zwiebeln, so weit das Auge reicht. Verzweiflung macht sich breit. Bald jedoch zeigt sich, dass in dem vermeintlichen Missgeschick ein neuer Anfang steckt. Mit Fantasie, Mut und Zusammenhalt finden die Menschen von Borna ihren ganz eigenen Weg und machen aus der Zwiebelnot ein Wunder. „Die Zwiebelhexe“ erzählt von misslungenen Zaubern, findigen Ideen und einer Gemeinschaft, die zusammenhält. Ein Märchen mit Herz und Humor, tief verwurzelt in der Region rund um Borna, für Kinder und Erwachsene.
28 Seiten, ISBN: 9783695145003

Previous PostNext Post