
Doch nicht nur auf dem Feld entwickelt der Sport immer professionellere Züge. Bevor am Samstag auch nur ein einziger Ball fliegt, läuft im Hintergrund bereits eine Großproduktion an. Am Vorabend wird das Feld, das sonst den Fußballern der Kickers Markkleeberg als Heimstätte dient, mit dem markanten Grillrostmuster (Englisch: Gridiron) gekreidet. In den Morgenstunden des Samstags beginnt dann der Aufbau: Livestream-Technik, Stände für Catering und Fanshop, ein elektronisches Scoreboard und selbst eine eigene Musikanlage – es sind wohl hunderte Meter Kabel, die die Lions am Samstagvormittag im Stadion verlegen, lange bevor die 45 Spieler das Feld für ihr Warm-up betreten. Vorbereitet werden die Spieler von einem dreizehnköpfigen Trainerstab um Cheftrainer und Lions-Vereinslegende Carsten Kunz sowie Betreuerinnen, Physiotherapeutinnen, Ärzten und seit diesem Jahr sogar erstmals einem Sportpsychologen. Kaum jemand bekommt Geld. Wer hier mit anpackt, der macht es aus Leidenschaft. „Ohne die zahlreichen, ehrenamtlichen Helfer wäre es nicht möglich, das ist das Faszinierende am Football. Du bist Teil einer riesigen Gemeinschaft. Bei unseren Game Days haben wir vom achtjährigen Ballmädchen bis zum (fast) achtzigjährigen Kameramann nahezu alles dabei“, sagt Lions-Spieler Tim Weidner, der selbst auch als Vorstand im Verein fungiert.
Auch sportlich verspricht der 25. April einiges: Der „Sachsen Bowl“ ist das alljährliche Derby der beiden größten Footballvereine im Freistaat noch vor dem Saisonstart. Für die Lions ist es eine Standortbestimmung. Der Verein entwickelte sich in den vergangenen Jahren rasant weiter, der Aufstieg 2024 war ein Meilenstein. Doch gegen den deutschen Vizemeister aus Dresden geht der Zweitligist als klarer Außenseiter ins Spiel. In dem Derby schwingen viele persönliche Geschichten mit. Spieler wie Tim Weidner, Carlo Reimann, Dominik Banse, Anton Doroshev, Kevin Stelzer, Florian Barthel, aber auch Defensive Coordinator Marius Adler haben eine Monarchs-Vergangenheit. Noch vor wenigen Jahren war der Weg nach Dresden für viele Leipziger die einzige Möglichkeit, um hochklassigen Football in der Region zu spielen. Dass dieser Weg heute seltener geworden ist, gibt den Lions Bestätigung für die eigene Entwicklung. „Dresden hat in der Vergangenheit vieles richtig gemacht und bleibt ein Vorbild“, sagt Weidner, der früher selbst für den Sport pendelte und jahrelang ein Leistungsträger in Dresden war. „Wir sind noch nicht ganz da, aber wir holen auf.“
Wer sich von der einzigartigen Atmosphäre im Stadion selbst überzeugen möchte oder Lust hat, einen Hauch von NFL in Markkleeberg zu spüren, den erwartet am 25. April 2026, ab 15.00 Uhr (Einlass ab 13.30 Uhr), ein Football-Spektakel im Camillo-Ugi-Sportpark.
Arn Mazomeit, Foto: bw